Das Gift der Vogelspinnen

Über die Giftigkeit von Vogelspinnen wurde schon viel Falsches berichtet. Leider wird immer wieder, vor allem in der Sensationspresse, berichtet, dass Vogelspinnen Menschen durch ihr tödliches Gift umgebracht haben. Oft wird dann noch davon gesprochen, dass diejenigen Personen "gestochen" worden seien, woran man sofort die Inkompetenz der Autoren erkennt.

Die Wahrheit ist, dass bis zum heutigen Zeitpunkt keine Vogelspinne bekannt ist, deren Biss bei einem Erwachsenen, gesunden Menschen zum Tode führen kann. Sicherlich gibt es Spinnen, deren Biss bei Menschen zum Tode führen können. Dazu zählt z.B. die schwarze Witwe oder Kammspinne. Vogelspinnen gehören jedoch nicht dazu. Tatsache ist, dass das Gift der Vogelspinnen auf Warmblüter nur schwach wirkt. Bei Reptilien z.B. ist die Giftwirkung wesentlich stärker.

Das Vogelspinnengift besteht aus verschiedenen Polypeptiden und wirkt warscheinlich neurotoxisch. Ich selbst wurde noch nie von einer Vogelspinne gebissen, jedoch kam dies in meinem Bekanntenkreis schon vor. In einem Fall wurde ein 23 jähriger von einer Brachypelma vagans in die Kuppe des rechten Zeigefingers gebissen. Die Giftwirkung war so gering, dass der gebissene ohne Beeinträchtigungen seinen normalen Tagesablauf beenden konnte. In einem weiteren Fall wurde derselbe beim Fotografieren einer Hysterocrates herkules von dem Tier in den Spann des rechten Fusses gebissen. Hier trat eine örtliche Hautrötung auf, ein kribbeln im betroffenen Fuss setzte ein und später traten leichte krampfartige Lähmungserscheinungen im rechten Bein ein. Die Beschwerden hielten einige Tage an.

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass asiatisch und afrikanische Vogelspinnenarten "giftiger" sind als neuweltliche Arten (Amerika). So ist bekannt das Bisse von Poecilotheria spec. oder Pterinochilus spec. zu starken Hautrötungen und auch zu Lähmungserscheinungen führen können. Die Körperreaktionen auf einen Vogelspinnenbiss hängen jedoch auch von jedem einzelen ab. Falls der gebissenen gegen Vogelspinnengift Allergisch ist, können ernsthafte Beschwerden auftreten. Grundsätzlich sollte man mit Vogelspinnen so hantieren, dass das Tier gar nicht die Möglichkeit zu einem Biss bekommt. Sollte es dennoch einmal dazu kommen, so ist in erster Linie Ruhe zu bewahren. In der Regel wird die Wunde schmerzen, was meisst schon an der mechanischen Einwirkung der Chelizeren liegt. Sollte der Kreislauf stabil bleiben und sollten auch sonst keine Beschwerden auftreten, so genügt es in der Regel die Wunde zu desinfizieren und ggf. eine Thetanusimpfung durchzuführen. Sollten dennoch Probleme auftreten, ist ein Arzt aufzusuchen, der in der Regel symptomatisch behandelt. Seren gibt es zur Behandlung von Vogelspinnenbissen nicht, da sie nicht notwendig sind.

Zwischenzeitlich wurden auch die Vogelspinnengifte von der Pharmaindustrie entdeckt und eingesetzt. In Australien z.B. werden die Gifte zur Herstellung von Schlaftabletten verwendet. Diese Schlaftabletten haben den Vorteil, dass ihre Wirkung nicht nachlässt, sprich, dass auch nach längerer Einnahme keine höhere Dosierung notwendig ist. Derartige Arzneimittel sind in Deutschland jedoch nicht zugelasssen. Mittlerweile beschäftigen sich einige Wissenschaftler mit dem Thema der Vogelspinnengifte. So wurden Apparaturen entwickelt, um Vogelspinnen zu "melken", was man bislang nur von Schlangen kannte. Das gewonnene Gift dient in erster Linie der Analysierung, da die Zusammensetzungen des Giftes der meisten Vogelspinnenarten noch unbekannt sind.

Quelle: Andreas Tinter "Erfolg mit Vogelspinnen" BedeVerlag